Versuchsdossier · alle Versuche im Kandidatenvergleich
DAX US-Open Vola-Spillover Breakout (Susmel/Engle 1994, Hamao/Masulis/Ng 1990)
Robustheits-Score 38.8/100 · AnekdoteWer zahlt und warum?
Mit der US-Kassaeröffnung trifft ein konzentrierter Order-Flow- und Informationsschub auf die laufende europäische Session. US-Adressen führen ihre Europa-Exposure über DAX-Futures und Index-Arbitrage aus, sobald ihre Desks und die US-Kassaliquidität live sind. Die Eröffnungsauktion in New York preist die US-Overnight-Information ein, und diese wird nach Europa übertragen (Hamao/Masulis/Ng: gerichtet NY→Europa; Susmel/Engle: Spillover am stärksten um den NY-Open, ~1 Stunde). In der vorangehenden Mittags-Senke ist die Markttiefe dünn und die Range kontrahiert. Der einsetzende Flow bewegt den Preis deshalb weit und in eine Richtung, statt vom Orderbuch absorbiert zu werden. Ein Ausbruch aus der ruhigen Pre-US-Range, der von einem Bar-Range-Burst gegen die Ruhephasen-Vola bestätigt wird, markiert genau diesen Flow-Impuls und läuft innerhalb der Spillover-Stunde weiter.
Widerlegt, wenn: Die Hypothese scheitert bei PF < 1,0 und n >= 40 in der Baseline. Sie scheitert ebenfalls, wenn der Kontrollarm ohne Kontraktions- und Burst-Gate (Trial 2) einen gleich hohen oder höheren PF liefert. Dann erklärt der Spillover-Mechanismus nichts über eine beliebige Nachmittags-Donchian-Regel hinaus, und der US-Open-Vola-Buckel ist am DAX zwar real, aber richtungslos.
Prüfliste nach Arnott, Harvey und Markowitz
Sieben Fragen aus „A Backtesting Protocol in the Era of Machine Learning“ (2019). Die Einstufung folgt festen Regeln aus den Feldern dieses Bauergebnisses.
| Punkt | Einstufung | Beleg |
|---|---|---|
| MotivationGab es vor dem Test eine ökonomische Begründung? | Ja | Mechanik und Vorhersage vor dem Test im Hypothesenregister (HYP-20260926-f02084ec). |
| MehrfachtestsSind alle Versuche gezählt und wird dafür korrigiert? | Teilweise | 3 Varianten vor dem Lauf im Trial Ledger registriert (trl_b56ee9258bb2). Das geltende Urteil korrigiert nicht für die Zahl der Versuche. |
| Daten und KostenSind Datenfenster, Datenstand und Kosten festgehalten? | Ja | Fenster 2026-03-17 bis 2026-09-05, Datenstand 2026-09-25, Slippage 0,5 Pkt je Seite; Engine-Fingerabdruck im Manifest. |
| Prüfung außerhalb der StichprobeWurde auf Daten geprüft, die beim Bau nicht bekannt waren? | Nein | Nur in-sample. Das Ergebnis dieses Baus ist kein Nachweis. |
| Stabilität über die ZeitHängt das Ergebnis an einem einzelnen Zeitraum? | Ja | Kein einzelner Monat trägt das Ergebnis (7 Monate); Aufteilung nach Marktphasen vorhanden. |
| KomplexitätIst die Regel sparsam genug für die Datenmenge? | Ja | 2 echte Varianten, 1 variierter Parameter (hold_bars). Regel: höchstens 2 variierte Parameter und 3 Varianten. |
| ForschungskulturWird auch das Scheitern veröffentlicht? | Ja | Jeder Bau erscheint unabhängig vom Ergebnis, dieses Dossier eingeschlossen; Kontrollarme stehen sichtbar daneben; die Placebo-Kontrolle steht im Dossier. |
Hypothese & Vorregistrierung
Rationale: Ausstiegsquote unterschritten, kein brauchbarer Exit-Lab-Befund verfügbar. Der stop_exit-Anteil liegt bei 17/175 = 9,7 %. Die beiden noch nicht gebauten vergleichbaren Exit-Lab-Befunde (dax_pivot_level_reversal, dax_timely_orb) sind laut live_bt_parity.json paritätsgesperrt (bt.pnl_pts −51,3 bzw. −503,8). Exit-Lab-Policies gelten nur für das Entry-Set ihres Trägers und lassen sich deshalb nicht umleiten. Gebaut wird stattdessen der unverarbeitete Backlog-Fund Klassik 2026-09-17 F1 (Tier 1) als Standalone in der Familie Volatility Breakout. Diese Familie hat mit 30 % Trefferquote die zweitbeste E13-Bilanz nach ORB (40 %). Die Bausteinart strategy liegt bei 16 %, regime bei 0/33. Ein Uhrzeit-Enable-Gate auf dax_squeeze_release wäre als Trial-A/B ohnehin nicht isolierbar, weil die Session-Spec für alle Trials gilt. Challenger gegen dax_squeeze_release und dax_macro_release_breakout. Letzterer nutzt Donchian plus ATR-Expansion nur an NFP/CPI-Tagen (n=14, unterpowert). Hier gibt es dagegen keinen Kalender, sondern jeden Handelstag eine Ruhephasen-Referenz (Kontraktion und Burst relativ zur Pre-US-Phase), einen Mitte-Stop und einen Spillover-Zeit-Exit.
Abweichungen von der Quelle: (1) Susmel/Engle und Hamao/Masulis/Ng messen Vola-Spillover (ARCH/EGARCH) auf Stunden- bzw. Tagesfrequenz über Indexniveaus. Sie liefern weder eine Handelsregel noch eine Richtungsprognose. Die Richtung kommt allein aus dem Ausbruch der Ruhephasen-Range, einer familientypischen Eigen-Ergänzung. (2) Kontraktionsmaß (Pre-Range/Tagesrange) und Burst-Maß (Bar-TR relativ zur mittleren TR der Ruhephase) sind Eigen-Operationalisierungen der Fund-Bedingungen „Pre-US-Phase kontrahiert“ und „Vola-Buckel“. (3) DST-Falle: Das Fenster ist fix auf 15:30 Berlin gesetzt. In den Wochen mit versetzter Sommerzeit (März ~3 Wochen, Ende Oktober ~1 Woche) öffnet die US-Kassa bereits um 14:30 Berlin, dort liegt das Fenster eine Stunde zu spät. Eine datumsabhängige Verschiebung im Code wäre ein Uhrzeit-Gate und ist verboten, der Fehler ist daher akzeptiert. (4) Die Pre-Range ist rollend (letzte N Bars) und nicht auf 15:29 eingefroren, weil die Strategie den Fensterbeginn nicht kennt. Mit 1 Trade/Tag und einem Burst relativ zur Ruhephase feuert praktisch der erste echte Ausbruch nach dem US-Open. (5) Exit: strukturelle SL an der Pre-Range-Mitte (geklemmt auf 10–40 Pkt) plus Zeit-Exit nach der Spillover-Stunde. Es gibt weder TP noch Trailing, weil die Quelle einen zeitlich begrenzten Impuls beschreibt.
Quelle: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0261560694900213
Vorregistriertes Optimizer-Grid (festgelegt VOR dem ersten Backtest — Anti-Overfitting)
- range_lookback_bars: 30 / 60 / 90
- burst_mult: 1.25 / 1.5 / 2
- hold_bars: 60 / 120
range_lookback_bars bildet die Länge der Pre-US-Ruhephase ab: eine halbe, eine und anderthalb Stunden um die Stundenfrequenz der Susmel/Engle-Messung. burst_mult variiert die Stärke des geforderten Vola-Buckels von moderat (1,25×) bis deutlich (2×) gegenüber der Ruhephase. hold_bars prüft den Susmel/Engle-Spillover-Horizont (~1 Stunde) gegen die Hamao/Masulis/Ng-Informationsübertragung bis zum Xetra-Schluss. 3 × 3 × 2 = 18 Kombinationen (≤ 24), alle innerhalb der MANIFEST-min/max, kein exotisches Mining.
Backtest-Trials (mit Slippage 0.5 Pkt)
| Trial | n | WR | PF | PnL (Pkt) | Max DD | PF o. Slip |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Baseline (Quellen-Default: Ruhephase 60 Bars = 1 Stunde, Burst 1.5×, Kontraktion ≤ 0.5, Zeit-Exit 60 Bars = Spillover-Horizont) | 95 | 31,6% | 0,57 | -1.007 | 1.186 | 0,60 |
| Kontrollarm ohne Spillover-Mechanik (burst_mult 0, max_pre_range_frac 1.0 → reiner Fenster-Donchian; isoliert den Beitrag von Kontraktion + Burst)Kontrolleburst_mult=0, max_pre_range_frac=1 | 114 | 32,5% | 0,64 | -1.011 | 1.130 | — |
| Informationsfluss-Hold (Hamao/Masulis/Ng gerichtete Preis-Übertragung NY→Europa: 120 Bars, faktisch bis Xetra-Schluss 17:30)hold_bars=120 | 95 | 26,3% | 0,68 | -819 | 1.050 | — |
Robustheit (bestes Trial)
PF-90%-Bereich über Handelstage
0.43 – 1.04
95 Handelstage. Einzeltrade-Intervall (zu eng, nur zum Vergleich): 0.44 – 1.02
Top-3-Trades am Gewinn
20%
PF bei +1.0 Pkt Slippage
0.63
Statistik-Härtung: Ertrag je Trade -8.63 Pkt; mit 80 % Sicherheit nachweisbar wäre erst ein Vorteil ab etwa 15.9 Pkt (Tagescluster berücksichtigt) — UNTERPOWERT: die Stichprobe ist zu klein, um diesen Wert von null zu trennen.
🎲 Placebo-Kontrolle (zeit-gejitterte Zufalls-Entries, gleiche Trade-Geometrie)
Kandidat -819.4 Pkt vs. Placebo-Median 1817.4 / p95 2516.1 Pkt · Perzentil-Rang 0%
Kandidat <= p80 der Placebos — von Zufalls-Timing nicht klar unterscheidbar
| Regime | n | PF | PnL |
|---|---|---|---|
| volatile_day | 1 | 99 | +107 |
| trend_down_day | 8 | 0.74 | -64 |
| mixed_day | 8 | 0.2 | -181 |
| range_day | 64 | 0.88 | -189 |
| trend_up_day | 14 | 0.07 | -492 |
Test-Timeline
Jeder weitere Test dieses Builds (Optimizer-Sweep, Forward-Monat, Re-Run) erscheint hier automatisch.
2026-09-26
Build + Backtest (Auto-Build-Agent)
Der Test fand keinen Vorteil gegenüber Zufall und Kosten. Ausgeschlossen ist ein Vorteil damit nicht: Bei der vorhandenen Stichprobe blieben kleine Vorteile unentdeckt (Power-Hinweis im Dossier).
2026-09-26
Nikkei-Gegenprobe (Transfer-Test, ATR-skaliert)
Nicht gelaufen: Die Nikkei-Gegenprobe ist seit dem 17.09.2026 abgeschaltet (Betreiberentscheid: nur DAX).