Versuchsdossier · alle Versuche im Kandidatenvergleich
DAX Day-End-Rise Long (Schlussfenster vor der Xetra-Auktion, Wood/McInish/Ord 1985, Harris 1986)
Robustheits-Score 42.5/100 · AnekdoteWer zahlt und warum?
Kurz vor dem Kassaschluss werden Aufträge gerichtet in die Xetra-Schlussauktion (17:30) gebündelt: Indexfonds und Benchmark-Händler müssen zum Schlusskurs handeln (Market-on-Close), Rebalancing- und Glattstellungsaufträge werden auf den offiziellen Schlusskurs gelegt. Laut Harris 1986 und Wood/McInish/Ord 1985 überwiegt in diesem Fenster die Kaufseite. Der Preis wird also in den letzten 30 Minuten vor der Auktion vom Kauf-Überhang nach oben gezogen. Auf dem Mid-bepreisten Index-CFD entfällt das Ask-Clustering-Artefakt der Originalmessung, übrig bleibt nur der Flow-Anteil.
Widerlegt, wenn: PF < 1,0 bei n >= 100 im Baseline-Trial. Dann ist das DAX-Schlussfenster vom Nachmittags-Abwärtsdruck (dax_late_afternoon_drift_short) bzw. von den Kosten dominiert, und der Day-End-Rise ist auf dem Mid-Preis eines Large-Cap-Index nicht vorhanden (reines Trade-Preis-Artefakt der 1980er-Messung).
Prüfliste nach Arnott, Harvey und Markowitz
Sieben Fragen aus „A Backtesting Protocol in the Era of Machine Learning“ (2019). Die Einstufung folgt festen Regeln aus den Feldern dieses Bauergebnisses.
| Punkt | Einstufung | Beleg |
|---|---|---|
| MotivationGab es vor dem Test eine ökonomische Begründung? | Ja | Mechanik und Vorhersage vor dem Test im Hypothesenregister (HYP-20260927-6bad6a45). |
| MehrfachtestsSind alle Versuche gezählt und wird dafür korrigiert? | Teilweise | 3 Varianten vor dem Lauf im Trial Ledger registriert (trl_1574cb85783e). Das geltende Urteil korrigiert nicht für die Zahl der Versuche. |
| Daten und KostenSind Datenfenster, Datenstand und Kosten festgehalten? | Ja | Fenster 2026-03-17 bis 2026-09-06, Datenstand 2026-09-25, Slippage 0,5 Pkt je Seite; Engine-Fingerabdruck im Manifest. |
| Prüfung außerhalb der StichprobeWurde auf Daten geprüft, die beim Bau nicht bekannt waren? | Nein | Nur in-sample. Das Ergebnis dieses Baus ist kein Nachweis. |
| Stabilität über die ZeitHängt das Ergebnis an einem einzelnen Zeitraum? | Ja | Kein einzelner Monat trägt das Ergebnis (7 Monate); Aufteilung nach Marktphasen vorhanden. |
| KomplexitätIst die Regel sparsam genug für die Datenmenge? | Teilweise | 3 echte Varianten, 4 variierte Parameter (activity_mult, nf_lookback_bars, require_activity, require_not_falling). Regel: höchstens 2 variierte Parameter und 3 Varianten. |
| ForschungskulturWird auch das Scheitern veröffentlicht? | Ja | Jeder Bau erscheint unabhängig vom Ergebnis, dieses Dossier eingeschlossen; die Placebo-Kontrolle steht im Dossier. |
Hypothese & Vorregistrierung
Rationale: Ausstiegsquote unterschritten, kein brauchbarer Exit-Lab-Befund verfügbar. (stop_exit 17 von 181 Versuchen = 9,4 %; die beiden offenen vergleichbaren Exit-Lab-Träger sind paritätsgesperrt: dax_timely_orb bt.pnl_pts −503,8, dax_pivot_level_reversal −51,3. Exit-Lab-Policies gelten nur für das Entry-Set ihres Trägers und lassen sich nicht umleiten.) Der Portfolio-Empfehlung (stop_exit; Gap Fade/Follow, Volatility Breakout) folge ich nicht: Einen baubaren stop_exit-Befund gibt es nicht, und in diesen Familien liegt kein offener Fund. Der einzige Kandidat, der SM-Breakout-Long 2c12850a, ist regelgleich mit dax_day_range_breakout_long (PF 0,26), also eine echte Dublette. Es gibt keinen Mechanismusbefund ab M3. Gewählt ist der Klassik-Fund Day-End-Rise (Log 2026-09-13-classic, Fund 1, baubar: ja, Tier 1), obwohl die Time-of-Day-Familie eine schlechte E13-Bilanz hat (Momentum / Time-of-Day 1 von 8). Das Argument ist die Entscheidbarkeit: etwa 21 Trades pro Monat, fester 30-min-Hold bis zur Auktion, damit eine enge Ergebnisverteilung (σ geschätzt 35–45 Pkt statt rund 100 Pkt). Das ist deutlich schneller entscheidbar als der ebenfalls offene Mondzyklus-Fund (5–10 Trades pro Monat bei ganztägigem Hold, t ≈ 0,1) und die gescheiterte Wiederholung roher TA-Trendentries (Dual-MA; KAMA und Aroon lagen bei n ≈ 500 mit PF < 0,9). Zweites Argument: Alle drei bisherigen Schlussfenster-Builds waren bedingt (dax_settlement_momentum 0,46, dax_closing_auction_pressure_reversal 0,72, dax_eod_loser_rebound_long 0,46). Die unbedingte Kontrollzeile, ob das Fenster vor der 17:30-Auktion überhaupt eine gerichtete Drift trägt, fehlt bis heute. Challenger gegen den Gegenrichtungs-Incumbent dax_late_afternoon_drift_short (unbedingter Short ab 16:30, Träger-PF 1,28 bei n=93): Trägt der Long 17:00→17:30, ist dessen Edge auf das Fenster vor 17:00 begrenzt. Eigenständige Strategie ohne Träger, deshalb greifen Paritäts-Gebot und Sperrfrist nicht.
Abweichungen von der Quelle: (1) NYSE-Einzelaktien/Index mit Transaktionsdaten 1981–83 wurden auf einen DAX-Index-CFD mit 1m-Bars übertragen. Gemessen wird der Mid-Preis statt Trade-Preisen, dadurch fällt der Bid-Ask-Anteil des Originaleffekts bewusst weg. (2) Aus dem Anstieg auf dem letzten Trade bzw. in den letzten Minuten wird ein 30-min-Fenster vor der Xetra-Schlussauktion: Entry-Fenster 17:00–17:15 und hold_until 17:30 über die Session-Spec, nicht im Code. Die Auktion selbst wird nicht gehandelt. (3) Katastrophen-SL (max(15 Pkt, 6×ATR 1m)) und Backstop-Time-Exit (30 Bars) sind House-Regeln, die Quelle kennt keine Stops. (4) Das Aktivitäts-Gate (Trial 3) setzt die qualitative Situationsaussage des Funds (mehr Glattstellungs-Flow an aktiven Tagen) als tageszeit-normierten Spannen-Vergleich um: Tagesspanne bis jetzt gegen den Median der letzten 20 Tage zum gleichen Bar-Zählerstand seit Session-Open. Es wird kein Volumen verwendet, weil event.volume nur ein Tick-Count ist. (5) Ein Spiegel-Short ist vorhanden, aber per Default aus, weil die Quelle nur den Anstieg belegt.
Quelle: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0304405X86900449
Vorregistriertes Optimizer-Grid (festgelegt VOR dem ersten Backtest — Anti-Overfitting)
- sl_atr_mult: 4 / 6 / 8
- atr_period: 14 / 28
- max_hold_bars: 20 / 30
Ein unbedingter Zeitfenster-Long hat außer der Fensterlage (aus der Session-Spec, nicht optimierbar) nur Risikoachsen. sl_atr_mult × atr_period prüft, ob das Ergebnis von der Weite des Katastrophen-Stops abhängt. Bei einer reinen Fenster-Drift sollte es das nicht (Robustheitsprobe, kein Tuning). max_hold_bars 20 gegen 30 ist die literaturgestützte Konzentrationsfrage: Harris 1986 verortet den Anstieg in den letzten Minuten. Ein Ausstieg rund 9 Minuten vor der Auktion (20 Bars) müsste den Effekt daher sichtbar verlieren. 3 × 2 × 2 = 12 Kombinationen (<= 24), alle Werte innerhalb der MANIFEST-Grenzen.
Backtest-Trials (mit Slippage 0.5 Pkt)
| Trial | n | WR | PF | PnL (Pkt) | Max DD | PF o. Slip |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Baseline (Quellen-Default: unbedingter Schlussfenster-Long bis zur Auktion) | 119 | 41,2% | 0,64 | -927 | 1.083 | 0,67 |
| Nicht-fallend-Filter der Quelle (Entry nur wenn Close >= Close vor 15 Bars)require_not_falling=true, nf_lookback_bars=15 | 96 | 42,7% | 0,55 | -1.022 | 1.160 | — |
| Aktive Tage (Tagesspanne >= Median der Vortage zum gleichen Zählerstand, mehr Glattstellungs-Flow)require_activity=true, activity_mult=1 | 51 | 43,1% | 0,54 | -656 | 783 | — |
Robustheit (bestes Trial)
PF-90%-Bereich über Handelstage
0.41 – 0.9
119 Handelstage. Einzeltrade-Intervall (zu eng, nur zum Vergleich): 0.42 – 0.91
Top-3-Trades am Gewinn
17%
PF bei +1.0 Pkt Slippage
0.57
Statistik-Härtung: Ertrag je Trade -7.79 Pkt; mit 80 % Sicherheit nachweisbar wäre erst ein Vorteil ab etwa 12.1 Pkt (Tagescluster berücksichtigt) — UNTERPOWERT: die Stichprobe ist zu klein, um diesen Wert von null zu trennen.
🎲 Placebo-Kontrolle (zeit-gejitterte Zufalls-Entries, gleiche Trade-Geometrie)
Kandidat -926.8 Pkt vs. Placebo-Median -520.5 / p95 105.4 Pkt · Perzentil-Rang 10%
Kandidat <= p80 der Placebos — von Zufalls-Timing nicht klar unterscheidbar
| Regime | n | PF | PnL |
|---|---|---|---|
| mixed_day | 9 | 1.21 | +41 |
| trend_down_day | 13 | 0.5 | -150 |
| range_day | 80 | 0.74 | -368 |
| trend_up_day | 17 | 0.26 | -450 |
Test-Timeline
Jeder weitere Test dieses Builds (Optimizer-Sweep, Forward-Monat, Re-Run) erscheint hier automatisch.
2026-09-27
Build + Backtest (Auto-Build-Agent)
Der Test fand keinen Vorteil gegenüber Zufall und Kosten. Ausgeschlossen ist ein Vorteil damit nicht: Bei der vorhandenen Stichprobe blieben kleine Vorteile unentdeckt (Power-Hinweis im Dossier).
2026-09-27
Nikkei-Gegenprobe (Transfer-Test, ATR-skaliert)
Nicht gelaufen: Die Nikkei-Gegenprobe ist seit dem 17.09.2026 abgeschaltet (Betreiberentscheid: nur DAX).